Seid stolz auf eure Fehler

Ja wirklich. Aber ich fürchte, das muss ich erklären.

Wir lernen meines Erachtens hauptsächlich aus Fehlern. Entweder aus eigenen oder aus denen von anderen. Deshalb sage ich meinen Studenten immer, sie sollen keine Angst haben, auch mal was Falsches zu sagen. Im Gegenteil: Wenn man eine falsche Antwort gibt, wird man sich viel leichter merken, was die richtige ist. Wenn man nur richtig geraten hat, hat man Pech, weil man sich dann schlechter daran erinnern wird, als wenn man die falsche Antwort gegeben hätte.

Fehler machen ist also gut. Weil man daraus lernt. Wenn man daraus lernt. Meistens ist das eher der komplizierte Schritt. Das ist etwas, das ich auch immer versuche, meinen Studenten bei zu bringen. Und heute bin ich mal an der Reihe, auf meinen eigenen Ratschlag zu hören. Ich habe einen Fehler gemacht. Die Seminararbeit, die ich geschrieben habe, ist nicht so gut angekommen. Sie war wohl u.a. nicht so gut verständlich. Und ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich verstanden habe, warum.

Normalerweise bin ich der Meinung, dass ich verständlich schreiben kann. Dass ich das sogar ganz gut kann. Anders hätte ich mich auch kaum gewagt, anderen zu erklären, wie das geht. Diesmal hat es nicht geklappt und ich hab es nicht bemerkt. Manchmal bemerke ich, dass z.B. ein Blog-Post hier nicht ganz perfekt ist [1]. Hier aber hatte ich es nicht bemerkt. Ich hielt die Arbeit für ganz gut verständlich und war ziemlich zufrieden. Auch wenn ich sie mir jetzt durchlese, finde ich sie verständlich.

Was war passiert? Eigentlich könnte mich mir die Antwort selbst gehen. Zitat aus meinem schon oben erwähnten Tutorial:

Oberste Grundregel: Beim Tutorials schreiben immer die Zielgruppe bedenken.

Das gilt natürlich auch für Seminararbeiten. Ich wusste natürlich, wer meine Zielgruppe ist, aber ich hab mir zu wenige Gedanken darüber gemacht. Insbesondere hab ich zu viel schon als bekannt voraus gesetzt. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich kurz zuvor einen anderen Vortrag gehalten habe, der sich thematisch ein wenig mit der Seminararbeit überschneidet.

Das „Zielgruppen-Problem“ war nicht mein einziges, aber wohl das wichtigste. Auch einige der anderen Fehler hatten damit zu tun, dass ich zu sehr meiner eigenen Denkweise verhaftet war. Das muss ich jetzt angehen.

Der Fehler war also mangelnde Klärung und Erklärung von Begriffen. Die Ursache war, dass ich zu wenig um die Zielgruppe bedacht war (und quasi implizit mich selbst als Zielgruppe genommen habe, auch wenn ich das während den Schreiben so wohl nicht zugegeben hätte). Jetzt ist natürlich noch die Frage: Was tue ich in Zukunft dagegen? Mir am Anfang die Zielgruppe genau überlegen und aufschreiben? Je nachdem, wie gründlich ich das gemacht hätte, hätte das vielleicht geholfen. Das ist mir aber noch nicht sicher genug. Ich war mir der Zielgruppe ja durchaus bewusst, ich hab nur zu sehr darüber hinweg gesehen. Ich werde mir also zusätzlich noch eine Checkliste anlegen und die, wenn ich ein Paper fertig habe, abarbeiten. Neben Punkten wie „Ist Rechtschreibung und Grammatik in Ordnung?“ oder „Sind vielleicht manche Sätze zu lang?“ oder „Ist die Sprache vielleicht zu umgangssprachlich?“ wird mit Sicherheit ein Punkt sein „Kennt die Zielgruppe die verwendeten Begriffe und kennt sie sie so wie ich sie verwende?“.

Ich habe durch meine Fehler also einiges gelernt. Und ich bin froh darüber. Dafür braucht man natürlich gutes Feedback. Das hatte ich hier zum Glück erhalten und bin dankbar darum. Auf der anderen Seite versuche ich deshalb selbst immer detailliertes Feedback zu geben. Das ist für meine Studenten oder auch für die, deren Tutorials ich lektoriere, nicht immer ganz einfach. Und natürlich ist ein Lob motivierender als ein — sagen wir mal — Verbesserungsvorschlag. Letztere helfen aber mehr. Deshalb, liebe SEP/MP-Studenten, müsst ihr es ertragen, wenn ich quasi ausnahmslos immer etwas zu „kritisieren“ habe. Und deshalb wünsche ich mir von euch Feedback bezüglich meiner Hiwi-Tätigkeit. Da kann ich nämlich bestimmt auch etwas besser machen. Traut euch! Seid stolz auf eure Fehler und freut euch, wenn ihr anderen helfen könnt, ihre Fehler zu erkennen.


[1] Von meinem Perfektionismus los zu kommen und dafür mehr zu schreiben, war auch Ziel dieses Blogs. Und es klappt ganz gut. Zumindest schreibe ich deutlich mehr, als damals als ich nur ganze Tutorials geschrieben hab.

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