Geschichten

Es war einmal ein König, der hatte drei Kinder und ein kleines, einstmals schönes Schloss. Das Schloss war alt und heruntergekommen und es war dort kalt und feucht. Der König aber war alt und Waise. Weil sich nun der Erzähler bei diesem Satz vertippt hatte, das aber nicht zugeben wollte, bedeutete das, dass der besagte Monarch keine Eltern mehr hatte. Also dachte der graue König bei sich:

„Ich bin alt und hier ziehts wie Hechtsuppe. Wenn ich nicht will, dass auch meine Kinder bald zu Waisen werden, muss sich da was ändern!“

Da der König aber sehr beschäftigt war, rief er Alice, seine älteste Tochter zu sich und sagte:

„Alice, ich bin alt und hier ziehts wie Hechtsuppe. Mach dass das besser wird. Hier hast du fünf Goldmünzen.“ (mehr …)

„Die Kunst an der Kunst ist die Kunst, die Kunst für teuer Geld zu verkaufen“, hab ich mal behauptet. Offensichtlich kann man eine Meinung haben, ohne Ahnung zu besitzen. Meine Meinung hat sich mittlerweile geändert und so könnte ich momentan Folgendes, vielleicht nicht weniger Fragwürdiges, über Kunst sagen: Kunst ist eine Form der Kommunikation, bei der der Rezipient (der Leser, Betrachter, Zuhörer, etc.) den Inhalt der Nachricht bestimmt. Kunst muss also Lust machen, über das Werk nachzudenken.

Aber ich hab nicht nur von Kunst keine Ahnung, meine Fähigkeiten was Zeichnen und Malen anbelangt bewegen sich irgendwo zwischen unterirdisch und abartig schlecht. Manchmal kann ich aber ein bisschen schreiben. Es folgt ein Selbstgespräch über Lyrik mit eingewobener Rezension und abschließendem Jammern darüber, dass ich zu blöd für Ironie bin… oder so. (mehr …)

Bud Spencer ist ein dicker, bärtiger Haudrauf, der viele Prügelfilme gemacht hat und jetzt über 80 ist. Ja. Aber er war auch Olympionik. Seine Schwimmerkarriere ist ja hinlänglich bekannt, aber in der Wikipedia kann man nachlesen, dass Carlo Pedersoli, wie der Kerl gebürtig heißt, noch viel mehr kann. So ist er wohl auch Komponist, hat Jura studiert und mehrere Erfindungen patentiert. Erstaunlich. Was kann der Kerl eigentlich nicht?

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Vor anderthalb Ewigkeiten hab ich mal ein Interview mit ihm gesehen. Dort hat er behauptet, er könne eigentlich nicht schauspielern. Die ganzen Rollen, die er verkörperte, seien alle so ähnlich, weil es jeweils nur er selbst sei, der da zu sehen ist. Das sei nicht geschauspielert. Ich mag die Bud-Spencer-Filme. Zumindest einige davon. Aber es stimmt natürlich: Bud Spencer ist immer der selbe.

Konstruieren wir aber mal etwas, das Bud Spencer niemals könnte. Etwas, das einen echten Schauspieler erfordert. Wir brauchen also etwas, bei dem ein Schauspieler viele Rollen übernehmen muss. Beispielsweise etwas über Klone (mehr …)

Letztens hab ich den Hobbit gesehen. Also den zweiten Teil. Zum ersten hab ich ja letztes Jahr schon was geschrieben. Hier nun aber mein Resümee zu Teil 2: Der Plot bleibt im Vergleich zu Herr der Ringe immer noch etwas zurück. Das ist sicherlich darin begründet, dass die Romanvorlage ein schmales Kinderbuch ist. Während Herr der Ringe zahlreiche Handlungsstränge aufweist und eine facettenreiche Geschichte in allen Details ausmalt, ist der Plot beim Hobbit vergleichsweise einfach und linear.

Das fiel insbesondere beim ersten Teil auf, wo es kaum Nebenhandlung gab und sich alles um die Gruppe der Zwergenabenteurer drehte. „Die Einöde von Smaug“ ist hier schon deutlich besser. Insbesondere die zweite Hälfte des Filmes ist deutlich spannender. Die Gruppe wird auseinander gerissen und es tun sich drei bis vier parallele Handlungen auf. Gandalf verlässt die Gruppe um die Sache mit dem „Nekromanten“ zu untersuchen, und drei der Zwerge bleiben in der Stadt zurück, während der Rest zum Erebor weiter zieht. Daneben mischen noch ein paar Elben, darunter Legolas, mit. Mehrere Handlungsstränge haben den Vorteil, dass man wunderbar zwischen ihnen hin und her wechseln kann. Insbesondere in der zweiten Hälfte wird das nun endlich genutzt, was dem Film sehr gut tut.

Insgesamt ist so die Handlung dramaturgisch da angekommen, wo man sie auch erwartet. Sonderlich viele überraschende Wendungen gibt es zwar nicht. Somit hebt der Plot den Hobbit also sicherlich nicht aus der Masse der Filme heraus. Aber dies ist auch kein negative Punkt mehr, bei sich der Film vor dem Durchschnitt verstecken müsste.

An Charakteren mangelt es aufgrund der Zwergenschar ja nicht und im Vergleich zum ersten Teil bieten sich hier auch mehr Möglichkeiten, das zu nutzen. Daneben gibt es noch ein paar Menschen und Elben, die auch ganz gut funktionieren und den Film bereichern. Viel gelobt wird auch immer die Szene, in der Bilbo dem Drachen Smaug den Arkenstein ablugsen will. Und das kann ich nur unterstreichen. Visuell ist der Film eh spitze und natürlich ist wieder Tolkiens Welt der eigentlich Star. Insgesamt ein guter Film, besser als der erste, aber immer noch nicht ganz wie Herr der Ringe. Den dritten und letzten Teil, werde ich mir sicher auch ansehen.

Während ich den Hobbit letztes Jahr in „normalem“ 3D gesehen hab, war es diesmal 3D HFR. Und ich muss sagen: Das hier ist der erste Film, bei dem ich das Gefühl hatte, dass 3D auch einen echten Mehrwert bietet. Ob das an HFR liegt, weiß ich nicht, aber während in quasi allen anderen Filmen, die ich bisher in 3D gesehen hab, die dritte Dimension quasi nur einen gelegentlichen Effekt wert war, sah man hier dem gesamten Film die dritte Dimension an. Das sollte man sich echt mal ansehen.

Einziger Wermutstropfen: In einigen wenigen Szenen hat man das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Beispielsweise sieht man das am Anfang im Gasthaus „Zum tänzelnden Pony“. Dort gibt es eine Dialogszene mit Thorin und Gandalf. In normalen 2D-Filmen stellt man Dialoge häufig so dar, dass man den Hinterkopf oder die Schulter eines Gesprächspartners an der linken Seite sieht, während das Gegenüber im Zentrum des Bildes (und im Fokus) steht. So erhält man quasi die Perspektive eines Gesprächspartners und je nachdem, wer gerade spricht, wird zwischen den beiden Sprechenden hin und her geschnitten. Das ist ganz typisch für Filmdialoge, weil es sehr gut die Gesprächssituation abbildet. Ein zweites Beispiel aus dem Gasthaus: Eine Gasthausszene wird lebendiger, wenn einfach mal jemand kurz durchs Bild huscht. Es gibt einem das Gefühl, dass man mitten drin steht. In 2D funktioniert das ganz gut, weil es einen Näher an die Handlung bringt. Hier funktioniert es aber nicht so gut, weil der ganze Film optisch schon recht realistisch wirkt. Durch die fehlende Tiefenschärfe führen einem solche Szenen im wahrsten Sinne vor Augen, dass man doch in einem Kino sitzt und eben nicht auf einer groben Holzbank in Bree. Technisch ist Tiefenschärfe bisher nicht zu erzeugen. Deshalb müssen Filmemacher hier, meiner Meinung nach, Mittel und Wege finden, wie man Dialoge vielleicht filmisch anders darstellt. Wie? Ich weiß nicht. Ich bin Softwareentwickler, kein Regisseur. Dennoch: Der Hobbit (oder HFR?) markiert für mich einen Meilenstein, was 3D-Kino anbelangt.

Was trennt John F. Kennedy von zeitreisenden Aliens? Ein Tag.

Stellt euch folgende Situation vor: Ihr habt eine tolle Idee. Aber ihr habt kein Geld. Stellt euch vor, es geht darum, eine Science-Fiction-Fernsehserie zu erschaffen. Aber Raumschiffe dürfen nicht vorkommen. Zu teuer. Aussichtslos, möchte man meinen. Aber Not macht erfinderisch. Das Geld reicht zwar nicht für ein Raumschiff, aber irgendwo kann man eine blaue Polizeitelefonzelle auftreiben. Kurzerhand spendiert man dem nicht realisierbaren Zeitreiseraumschiff einen kaputten Tarnmechanismus, der dafür sorgt, dass es immer aussieht wie eine britische Polizeitelefonzelle. Am 23. November 1963, genau einen Tag nach der Ermordung John F. Kennedys, geht die neue Serie im britischen Fernsehen auf Sendung: Doctor Who war geboren.

Seit dem bereist also ein zeitreisender Außerirdischer mit zwei Herzen, der immer nur „Doctor“ genannt wird und niemals seinen Namen verrät, die Weltgeschichte, das Universum, fremde Welten… Begleitet wird er dabei von wechselnden „Companions“, also Freunden oder „Begleitern“.

Ein paar Jahre später hat man mit der Serie das nächste Problem. (mehr …)

„Zu seiner Schande musste er gestehen, dass er noch nie in der Hauptstadt gewesen war. Wirklich eine schöne Stadt, überall Wasser und ungesprengte Brücken.“

Ich mag „Originale“ — Menschen die merk-würdig sind. Ich bin ja der Meinung, dass wir Menschen uns durch unsere Macken definieren. Das, was uns wirklich ausmacht, ist das, was uns von der Masse unterscheidet. Wir alle haben unsere kleinen Merkwürdigkeiten. Der einzige Unterschied ist, dass manche ihre Einzigartigkeit verstecken und andere sie nach außen tragen. Oftmals haben wir einen Hang dazu, „normal“ sein zu wollen. Wir fragen uns „was würden andere Leute als normal ansehen“. Das ist typisch menschliches Verhalten. Und es ist langweilig. Die Leute, die man gemeinhin als „Originale“ oder „Unikate“ bezeichnet, sind da anders. Ich mag das.

Allan Karlsson ist so ein Unikat. Allan ist hundertjährig, eigensinnig, vollkommen apolitisch und er sprengt gerne Sachen in die Luft. Und er ist eine Romanfigur. Das Schöne ist: Seine Freunde sind ebensolche liebenswürdige Unikate: Da hätten wir einen universalgelehrten, Ex-Ewigstudenten und zeitweiligen Imbissbudenbetreiber, einen strohdummen, tollpatschigen Einstein, den Chef einer 3-Mann Rockerbande, einen entlaufenen Elefanten namens Sonja und einige andere.

Es geht also mal wieder um ein Buch und zwar um „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. Ich hab das Buch schon vor Monaten fertig gelesen, aber bin nie so wirklich dazu gekommen, darüber zu bloggen. Das hol ich jetzt einfach mal nach.

Nachdem ich schon von den tollen Charakteren geschwärmt habe, nun zu den anderen Eigenschaften, die bei nem Buch interessant sein können. Worum gehts eigentlich? Nun, der Titel erläutert schon einen Teil der Prämisse. Allan Karlsson klettert an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Fenster seines Altersheims… und er klaut einen Koffer mit 50 Millionen schwedischen Kronen. Während Allan also von den kriminellen Eigentümern des Koffers, sowie der Polizei gejagt wird, erfährt man die Lebensgeschichte des greisen Kofferdiebes. Und die hat es in sich. Irgendwie hat Allan das Talent, mit diversen historischen Persönlichkeiten zusammen zu treffen, Schnaps zu trinken, die Geschichte zu beeinflussen und Brücken zu sprengen. Kapitel mit Allans Lebensgeschichte wechseln sich ab mit den Ereignissen nach seinem hundertsten Geburtstag. Und bei jedem Sprung fragt man sich, was gerade spannender ist.

Sprachlich ist das Buch etwas anders als die Bücher, die ich sonst so lese. Was beispielsweise auffällt, ist dass direkte Rede vergleichsweise selten verwendet wird. Kaum ein Dialog ist länger als eine halbe Seite. Der Rest wird per indirekter Rede erzählt, was vielleicht etwas ungewöhnlich ist, aber dennoch ganz gut funktioniert. Ansonsten ist die Sprache recht eingängig, gut zu lesen und lässt einen immer wieder ein neckisches Augenzwinkern des Autors erahnen.

Wenn ich unbedingt etwas Negatives über dieses Buch sagen soll, könnte ich sagen, dass gegen Ende merklich Potenzial verschenkt wird. Man merkt dem Autor an, dass er das Buch zu Ende bringen wollte und deshalb die ein oder andere Abkürzung genommen hat. Anfang der 50er Jahre beispielsweise beratschlagen Mao und ein paar andere Kommunisten, die ich auch dramaturgischen Gründen mal unerwähnt lasse, wohin man Allen denn in Urlaub schicken könnte. Möglichst weit weg vom Kommunismus, den den hatte Allan satt. Kuba wird vorgeschlagen. Denn da — so glauben die Herren — käme der Kommunismus wohl als letztes hin. Ich beginne schon zu Grinsen bei dem Gedanken, dass Allan irgendwo am Strand von Kuba auf Fidel Castro und Che Guevara trifft. Und wie er die Kubakrise hautnah miterlebt, vielleicht ein paar interessante Telefonate führt und dabei seine Kontakte spielen lässt. Aber solche Erwartungen werden leider enttäuscht. Stattdessen verbringt der sonst so eifrige Sprengmeister und Präsidentenkenner fünfzehn Jahre faulenzend am Strand von Bali. Das ist ein wenig schade.

Trotzdem: Ich habe keine Seite dieses Buches bereut. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist eine aberwitzige Rundreise durch die Weltgeschichte. Keine trockene Geschichtsstunde, sondern vielmehr ein Märchen mit liebenswert schrulligen Charakteren vor historischer Kulisse. Sehr schön!

Der geheime Frieden ist in Gefahr. Denn Locke Lamora, Gentleman-Ganove und Priester des namenlosen dreizehnten Gottes, hält sich nicht daran. Mit seiner Bande bestiehlt er die reichen Adligen, obwohl der geheime Frieden diesen eigentlich zusichert, niemals bestohlen zu werden. Locke ist ungestüm, verwegen und ein Meister seines Fachs. Nichts kann ihn aufhalten, so scheint es — bis der Graue König auftritt und ihn eines anderen belehrt.

Die Stadt, in der sich das alles zuträgt, ist Camorr, deren Name nicht von ungefähr an die Camorra erinnert. Neben dem greisen Herzog Nicovante herrscht dort Vencarlo Barsavi, der Capa von Camorr, Herr über die „Richtigen Leute“, die Mafia der Lagunenstadt.

Die Lügen des Locke Lamora ist ein Buch, das durchaus Spaß macht, zu lesen. Camorr versprüht den Charme eines mafiösen Renaissance-Venedig und die Geschichte um Locke und seine Bande ist interessant erzählt. Aber ganz ohne Vorbehalte kann ich das Buch dennoch nicht empfehlen. Schwebt im ersten Teil des Buches nur ein Hauch von Magie in der Luft, so tritt irgendwann ein übermächtiger Soldmagier auf. Nun hat Magie in Fantasy-Geschichten oft das Problem, dass sie zu mächtig ist und damit den Plot unrealistisch macht. Steht der Magier auf Seiten der Protagonisten, haben diese es entweder zu leicht und der Plot wird langweilig oder der Zauberer muss sich nicht nachvollziehbarer Weise oft mit seiner Macht zurück halten, was ihn unrealistisch werden lässt. Steht der Magier aber auf Seiten der Gegenspieler, werden deren Pläne entweder ziemlich simpel oder unrealistisch, weil es keinen Grund für komplizierte Herangehensweisen gibt. Deshalb muss Magie irgendwie eingeschränkt werden, damit eine Geschichte funktioniert. Unkontrollierte Magie macht also entweder den Plot langweilig oder unglaubwürdig. Hier ist leider das letztere der Fall. Die Soldmagier wirken unglaubwürdig, weil sie viel zu mächtig sind. Warum sollten Zauberer, die sich unverwundbar machen, Gedanken manipulieren und durch Wände gehen können, ihre Dienste für Geld anbieten? Und warum nutzt man nicht die Dienste eines solchen Magiers voll aus, wenn man es könnte, und verfolgt stattdessen einen komplizierten und fehleranfälligen Plan?

Auch Locke, die Hauptfigur, ist nicht immer so, wie er sein könnte. Er wird eingeführt als übereifriger kleiner Bengel, der es liebt zu stehlen und langsam lernt, wie wichtig Planung und Voraussicht ist. Diese Voraussicht scheint er mit der Zeit aber wieder zu verlieren. Insbesondere gegen Ende des Buches handelt er wieder alles andere als vorausschauend. Gründe für diese Rückwärtsentwicklung werden nicht genannt und ich bin mir auch nicht sicher, ob sie gewollt oder einfach nur dem Plot geschuldet ist. Schade, denn eigentlich sind Locke und seine Bande wirklich interessante Charaktere.

Trotz dieser Mankos hat Scott Lynch dennoch ein ganz gutes Buch geschrieben, das sich unterhaltsam liest. Rückblenden in Lockes Kindheit unterbrechen regelmäßig die Handlung, beleuchten die Hintergründe und bauen einen zweiten Handlungsstrang auf. Das ist ganz gut gemacht, wenngleich ich an der ein oder anderen Stelle das Gefühl hatte, dass es besser ginge. Camorr ist als Handlungsort gut durchdacht und interessant. Die Komplexität der Handlung wirkt zwar manchmal etwas gekünstelt und ist den Protagonisten irgendwie nicht völlig bewusst, aber zur Unterhaltung taugt sie allemal.

Insgesamt ist „Die Lügen des Locke Lamora“ also nicht überragend, aber dennoch ganz gut. Die Folgebände werde ich mir wohl dennoch nicht kaufen und lieber etwas anderes lesen.

Fanfilme gibt es im Netz massenweise. Die meisten sind — objektiv betrachtet — schlecht. Andere sind sehr schlecht. Betrachtet man die Rahmenbedingungen sind manche davon vielleicht gut gemacht, aber gut ist etwas anderes.

Eine rühmliche Ausnahme, die wahrscheinlich schon jeder außer mir kennt, aber über die ich trotzdem mal was schreiben will, ist Star Wreck. Wie unschwer am Titel zu erkennen ist, handelt es sich um eine Star-Trek-Parodie. Genau genommen um mehrere.

Angefangen hat alles nämlich schon 1992 mit einem Fanfilm einer Fan-Animation, ohne wirkliche Handlung und ohne alles, was irgendwie erwähnenswert wäre. Die folgenden Filme hatten zumindest mal pixelige Animationen, die Personen zeigen. Die letzten haben dann aber wirklich menschliche Schauspieler, eine Handlung, Spezialeffekte etc. Insbesondere „Star Wreck: In the Pirkinning“ (mehr …)

„Wie ich sehe, sind Sie mit den Mordfällen Pavlos und Singh befasst. Um Ihnen unnötigen Aufwand zu ersparen, sage ich Ihnen: Ich habe beide getötet. Warum, werden Sie bald erfahren. Allerdings haben Sie ein Problem. Sie können mich nicht verhaften. Sie können mich nicht aufhalten. Denn ich bin tot.“

Vor einiger Zeit habe ich Neuromancer von William Gibson gelesen. Ein bekanntes, viel gelobtes Buch. Und um ehrlich zu sein, war ich enttäuscht. Mal davon abgesehen, dass es manchmal unnötig schwer zu verstehen ist und wirr erscheint (insbesondere am Anfang; wird später besser; so richtig in Fahrt kommt die Geschichte aber nie), ist dort alles, was Technik betrifft… merkwürdig bzw. unrealistisch. Gut, das Buch stammt aus den 80er Jahren, aber dennoch: Mir hat das Buch nicht sonderlich gefallen udn so hab ich die beiden Folgebände gar nicht erst gelesen.

Ganz anders ist es mit dem, was ich jetzt gelsen habe: Daemon und Darknet von Daniel Suarez. Suarez ist Softwareentwickler und das merkt man. Technisch gesehen hat das, was er schreibt, im Großen und Ganzen Hand und Fuß. Und für einen Informatik-Studenten ist es ausgesprochen angenehm, wenn man einen Roman liest, in dem Begriffe wie „IP-Adresse“, „Formatstring-Hack“ und „Quellcode“ in einem technisch nachvollziehbaren Zusammenhang stehen. Man kann die Bücher auch lesen ohne diese Begriffe zu verstenen. Wenn man sie aber kennt und sieht, dass sie richtig verwendet werden, ist der Roman nochmal so gut. Auch die deutsche Übersetzung macht das nicht kaputt (im Gegensatz zu Fachliteratur lese ich Romane lieber in der deutschen Übersetzung). Es gibt zwar ein paar Stellen, bei denen ich vermute, dass die Übersetzung etwas Merkwürdiges gemacht hat. Das ist eindeutig im Rahmen und tut dem Lesegenuss keinen Abbruch.

Nun, worum gehts? Matthew Sobol ist Chef einer großen Computerspielefirma. Und er ist totsterbenskrank. Er leidet an einer Krankheit, an der er langsam aber sicher stirbt. Kurz nachdem aber die Meldung über seinen Tod durch die Medien geht, geschehen merkwürdige Dinge. Der Daemon, eine verteilte KI, die Sobol auf Basis seiner Computerspiele entwickelt hat, erwacht zum Leben und verfolgt düstere Pläne. Der Daemon wirbt Leute an, begeht Morde und infiltriert Firmennetze. Der Daemon übernimmt die Welt. Und gewisse Leute versuchen das zu verhindern.

Das hört sich ziemlich nach schwarz/weiß-Malerei mit vorhersehbarem Plot an, aber genau das ist es nicht. überhaupt nicht. Diverse Plot Points erzeugen nicht nur Spannung, sondern weichen auch die zu Anfang scheinbar noch herrschende schwarz/weiß- bzw. gut/böse-Trennung auf.

Wie von einem Thriller kaum anders zu erwarten, gehen massenweise Autos kaputt und an Toten mangelt es auch nicht. Und wie von Science-Fiction zu erwarten gibt es immer mal wieder (oder andauernd) Technik die so (noch) nicht existiert. Aber Daemon ist mehr als nur ein Thriller mit starkem Technikanteil. Manche Teile lesen sich wie ein Computerspiel, andere sind in hohem Maße gesellschaftskritisch. Es ist ein intelligenter Roman, der nachdenklich stimmt. Gerade auch, weil er sehr real wirkt. Viel tennt uns nicht von der Welt des Romans — sowohl gesellschaftlich als auch technologisch.

Ich könnte jetzt noch in den Krümeln suchen. Ich könnte erklären, was technisch so nicht funktioniert (z.B. das Portieren einer Computerspiel-Auto-KI auf ein richtiges Auto) und warum die Features des Daemon übertrieben gut sind und kaum Bugs zu haben scheint. Oder ich könnte mich fragen, warum sich ein hochgradig verteiltes System zumindest an einer Stelle (kurz vor Schluss) wie ein zentralisiertes zu verhalten scheint. Ich könnte auch aufzählen, welche Kleinigkeiten man meiner Meinung nach an der Geschichte verbessern könnte. Das würde dem Roman aber nicht gerecht. Im Vergleich zu dem, was andere Romanschreiber fabrizieren, ist das lächerlicher Kleinkram. „Daemon“ ist ein guter Roman. Die Geschichte erschafft im wahrsten Sinne des Wortes eine eigene Welt; sie ist spannend, gut erzählt und regt sogar zum Nachdenken an.

Kurz: Ein intelligenter Roman, der mir viel Spaß gemacht hat.

Ich betreibe hier ein Blog über „Informatik und Anderes“. Das Andere kommt dabei meist etwas kurz. Hier also mal etwas, das so überhaupt nichts mit Informatik zu tun hat: In einem Beitrag von Kulturzeit wurde ein eigenwilliges Kunstprojekt vorgestellt: Dancing Auschwitz. Eine Kunstaktion, wie sie nur ein Holocaust-Überlebender machen kann.

Der 89-Jährige Adam Kohn tanzt mit seinen Enkeln in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern auf „I Will Survive“. Von der Aktion gibts ein Video auf YouTube. Das Video ist beeindruckend. Man sieht es lachend und weinend.

Manche mögen es als Provokation sehen. Manche mögen fehlenden Respekt vor den Opfern vermuten. Andere sehen vielleicht eine Art Racheakt, einen Triumphzug.

Ich sehe darin nicht den freudigen Triumph, sondern vielmehr die triumphierende Freude. Also nicht „Ich habs überlebt! (Und andere nicht.)“, sondern „Wir alle sind froh, dass diese schreckliche Zeit vorbei ist – möge sie niemals wieder kehren!“

Ich war einige Jahre in einer Jugendgruppe, der „Geschichtswerkstatt“, aktiv, in der wir u.a. die Nazizeit in meinem Heimatort aufgearbeitet haben. So etwas haben wir aber nicht annähernd geschafft, nicht schaffen können. So etwas kann wohl nur ein Holocaust-Überlebender.

Gedenken ist wichtig, aber die Frage nach einem zeitgemäßen Gedenken stellt sich natürlich. Wie aber sieht ein angemessenes Gedenken an etwas aus, das drei Generationen hinter mir liegt? Ich habe da auch keine abschließende Antwort, aber vielleicht ist es wie mit der Trauerbewältigung: Irgendwann muss der Schritt von der Trauer zur Erinnerung stattfinden.

Meine Antwort kann nicht so aussehen wie die von Kohn. Seine Antwort finde ich aber absolut faszinierend. Vielleicht aber schaffen wir es ja, uns ein wenig mit ihm zu freuen…